Re(3): schwimmender Nichtschwimmer? / Widersprüchlicher Wirtschaftsplan

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down Re(3): schwimmender Nichtschwimmer? / Widersprüchlicher Wirtschaftsplan

Geschrieben von tar (2010-03-05 12:40:09):

Ja, an dieser Stelle war gerade von einem dezentralen Wirtschaftsplan die Rede. Aber dennoch war von einem Wirtschaftsplan die Rede, und dann zu sagen: »es gibt keine berechenbare Festlegung/Planung«, klingt für mich schräg; doch ist es mir nicht klar, was damit gemeint ist (und ich frage mich, ob das Gemeinte vielleicht bloss eine Abschweifung ist).

Das wirtschaftliche Aufeinandertreffen (ob PLAN- oder MARKT-Wirtschaft) ist immer ein Kompromiss. Ich plane heute alles für möglichst umsonst zu erhalten und die Anbieter wollen wenn möglich mein gesamtes Eigentum erhalten. Der Planungsbüroleiter plant die Fertigstellung der Transaktion möglichst noch vorgestern, der zuständige Ingenieur muss demgegenüber die Moral seiner Arbeiter aufrecht erhalten, die aber doch gerne erstmal ihre Mittagspause verlängern würden.

Weder Wunschträume sind gemeint noch Pläne von Wirtschaftstoren.

Dass du mit "Plan" Wunschtraum oder törichtes Vorhaben meintest, führte vermutlich zu der Behauptung, dass "Pläne" unmöglich zusammenpassen können. Andererseits aber gingst du bei der Planungsbehörde nicht von Wunschtraum oder törichtem Vorhaben aus (jedenfalls was die Produktionspläne betrifft, solange man sie nicht den Konsumplänen gegenüberstellt):

[...] indes der Prozess selbst bis zu diesem Aufbegehren reibungslos verläuft, sprich keiner deiner genannten Ausnahmen auftritt.

Du gebrauchtest das Wort "Plan" also in doppeltem Sinn (äquivok), und einer der beiden Begriffe meine ich mit "Plan" immer, den anderen -- Wunschtraum oder törichtes Vorhaben -- meine ich mit "Plan" nie.

Wenn ein Wunschtraum oder ein törichtes Vorhaben platzt, hat man sich getäuscht und der Wunschtraum oder das törichtes Vorhaben ist deswegen geplatzt. Der Grund hierfür war nicht, dass Pläne nicht miteinander kompatibel waren; Pläne in meinem Sinne kamen gar nicht vor.

Und auch weil ich bereits erfahren habe, dass Leute sich damit schwer tun können, veranschauliche ich eben den Begriff des Ungleichgewichts anhand einer Zentralplan-Wirtschaft. Denn dort sieht man sehr schön, was das Wesen des Ungleichgewichts ist, nämlich Widersprüchlichkeit, Unvereinbarkeit, Inkompatibilität, Nichtzusammenpassen: die Planungsbehörde schmiedet halt einen widersprüchlichen Wirtschaftsplan, der sich dann freilich nicht erfüllen lässt (a priori). Und wenn der Wirtschaftsplan dann wegen seiner Widersprüchlichkeit platzt, sollte man solches Platzen auch damit begründen.

Ist man dann mit jemandem so weit gekommen, muss man ihn nur noch zur Einsicht bringen, dass er auch in einer Dezentralplan-Wirtschaft (Marktwirtschaft) die Möglichkeit eines widersprüchlichen Wirtschaftsplans in Betracht ziehen muss, und schon hat er den Begriff des Marktungleichgewichts. Ausserdem hat seine Einsicht dann eine gewisse Tiefe und Allgemeinheit (Unabhängigkeit von der Ausgestaltung der Wirtschaftsordnung), ist eine gute Basis zum selber weiter denken.
Ein Plan geht immer mit einem Wunsch einher - er beinhaltet die Abschätzung der künftigen Ereignisse anhand vergangener Erfahrungen und gesammelter Informationen. Anders ist ein Plan - also völlig unabhängig von Wunschdenken, was du als törichtes Verhalten titulierst - nicht definierbar. Eine Planungsbehörde ist dahingehend der schlimmste, verbrecherische Wunschpalast, dem die Realität immer ein Schnippchen schlägt, was man selbst anhand einfachster, für sich persönlich geplanter Vorgänge nachvollziehen kann, bei denen nahezu immer irgendetwas dazwischen kommt, was man eben nicht einkalkuliert hat. Sei es der Unfall auf dem Weg zur Arbeit, das Vergessen der Wasserwaage bei einer Rohrinstallation, der Nachschubengpass des Rohstoffes xy aufgrund politischer Indifferenzen oder oder oder.

Es handelt sich hierbei fast ausschließlich um Informationsdefizite, auf die - und auch das liegt nunmal in der Realität begründet - niemals jeder jederzeit zugreifen kann. Das ist das Dilemma der rationalen Erwartung, wobei durch die vollkommene Information eine irreale Annahme unterstellt wird.

Natürlich habe ich überspitzt mit meinen Planvorstellen, doch was ändern die Nuancen am Wesen des Plans, der sich auf Erwartungen gründet, also Wunschvorstellungen?

Und damit nochmal zur (fehlenden?) Begründung, wieso es nie ein Gleichgewicht geben kann - ob in Plan- oder Marktwirtschaft: Angebot und Nachfrage sind in der Realität nur scheinbar identisch, weil die Realität volatil ist und sich nunmal stetig verändert. Es gibt nicht ein Ding, was einfach ist - alles wandelt sich. So herrscht immer(!) ein Überhang an Angebot oder Nachfrage und entsprechenden nachträglichen (durch die Erfahrung) Preis- und Mengenanpassungen.

Falls der Zustand eintritt, dass einmal die gesamte Produktionspalette nachgefragt wird, ist die Nachfrage in diesem Falle höher, nur wird sie durch das Angebot nicht ausreichend befriedigt. Die Folge: Expansion des Unternehmens und im Regelfall eine Preiserhöhung. Und natürlich vice versa.

Das Wirtschaften ist also ein Kompromiss von vorher getroffenen Erwartungen (Wünschen), die sich in für das Individuum realisierten Plänen widerspiegeln.

Gruß!

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