Vorfinanzierung

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Geschrieben von Manfred (2010-02-20 13:02:55):

Nicht ganz. Der Staat (besser: die Regierung) muss ja immer vorfinanzieren, d.h. sich erstmal verschulden. Danach versucht man, die gemachte Verschuldung über den verordneten Abgabezwang (Schulden ex nihilo per Zwangsdekret an die Untertanen) zu tilgen.
Wenn ich mir nun aber die quasi exponentiell wachsenden Staatsschulden in der westlichen Welt anschaue, dann fällt es mir schwer, dies als "Vorfinanzierung" zu verstehen. Das sieht doch eher so aus, wie die Tilgung von Schulden durch neue Schulden.

Historisch war Getreide ursprüngliches Abgabemittel. Woher kam es? Wer finanzierte die Saat vor und vor allem die Eintreiber ("Aufseher")?
Auch du meine Güte ...
a) Also historisch musste Getreide überhaupt nicht "vorfinanziert" werden, da es
1. Getreideanbau schon vor der Einführung des Geldsystems gab
2.1. Die ersten Saatkörner in der freien Natur gefunden wurden (und nicht etwa finanziert wurden)
2.2. Nach einer Ernte eine gewissen Menge Körner für die nächste Aussaat zurückgehalten wurde. Was schon da ist, muss nicht mehr finanziert werden.
b) Mit quasi exponentiell wachsenden Schulden wird Getreide vorfinanziert?!?? Wer soll denn diese exorbitanten Getreidemengen überhaupt essen? Der Nahrungsbedarf der Bevölkerung wächst ja nun in keinem Verhältnis zu den wachsenden Schulden, zumal die Bevölkerung in westlichen Staaten eher stagniert als wächst.

Also das mit der Vorfinanzierung von Getreide scheint mir keine plausible Erklärung zu sein.

Wenn die Regierung also Ausgaben tätigt, dann nur aus dem Grund der Sicherung des eigenen Machterhalts und dies dann zum Einen über Vorfinanzierung und zum Anderen über Umverteilung. Letzteres könnte man weitgehend so auffassen, dass der Staat sich verschuldet, um einer Mehrheit seiner Bürgern die Steuerzahlung (und natürlich durch die allgemeine Akzeptanz des Steuerzahlungsmittels auch anderen lebensnotwendigen Leistungsempfang, wie Nahrung) zu ermöglichen und damit einen Umsturz zu vermeiden (siehe Hartz IV).
Wenn wir mal am Beispiel der Vorfinanzierung der Getreideproduktion blieben (was aber nicht die ständig wachsenden Schulden erklärt), dann ergäbe sich ja ein jährlicher Zyklus aus Vorfianzierung, Aussaat und Ernte. Mit der Ernte müsste dann die Vorfinanzierung wieder drin sein. Unterstellt man, dass es Missernten geben kann und dafür Reserven angelegt wurden, dann müsste zumindest im Mittel der Jahre sich ein PlusMinusNull ergeben.

Übertragen auf allgemeine Abgaben und Vorfinanzierungen müsste am Ende des Jahres der Staat all seine Vorfinanzierungen vom Anfang des Jahres wieder drin haben. Dem ist aber nicht so, angefangen von der Kommune über das Land bis hin zum Bund.

Auch ist das Argument mit der angeblich Notwendigkeit staatlicher Vorfinanzierungen falsch, da - im Gegensatz zum Getreide, wo erst am Ende der Saison die Ernte eingefahren werden kann - in der realen Wirtschaft der Bürger eben nicht erst am Ende des Jahres seine Steuern zahlt, was den Staat zur Vorfinanzierung seiner Leistungen veranlassen könnte, sondern es werden kontinuierlich über Mehrwertsteuer und Lohnsteuer Gelder an den Staat abgeführt.
Auf diesem Wege sorgt der Bürger über seine Abgaben eigentlich selbst zur Vorfinanzierung staatlicher Leistungen. Die Erklärung der Schulden mit "notwendiger Vorfinanzierung des Staates" ist somit wenig plausibel. Die ständig wachsenden Schuldenberge erklärt der Ansatz schon mal gar nicht.

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